Carmens Blog: Aktion Gremlin – was macht eigentlich Carmen Susenburger?

12369045_10205244620823156_2568087226351709732_nWie kommt ein GREMLIN zu uns? WAS steckt alles dahinter?
Wie kann man helfen oder vielleicht sogar einen GREMLIN aufnehmen?
AKTION GREMLIN, was macht da eigentlich Carmen Susenburger?

Wir bekommen immer öfter Pflegestellen für die Aufnahme von Pferden aus der AKTION GREMLIN angeboten.
Einerseits ist dies natürlich wunderbar, andererseits, müssen hierfür die Pferde natürlich vorher ausgelöst werden und die Kosten bis zur Pflegestelle gedeckt sein.
Ich erzähle Euch mal, wie das abläuft, und WAS dahinter steckt, einen GREMLIN aufzunehmen…


Wenn ich mich zur Aufnahme einen bestimmten Pferdes entschieden habe, kann ich nicht den Hänger anhängen, oder den LKW schicken. Dies beginnt bei dem Besuch des Veterinäramtes, um die Transportpapiere ERST MAL IN UNSEREN Stall zu beantragen. Hier in Spanien kann man nicht einfach ein Pferd aufladen, und irgendwo hinfahren, wenn es im neuen Stall eine zeitlang verbleiben soll. Es gibt eine Karenzzeit von 10 Tagen, z. B. wenn eine Stute zum Decken zum Hengst fährt, also zwar in einen anderen Stall für ein paar Tage eingestallt bleibt, jedoch danach wieder in ihren gemeldeten Aufenthaltsort zurückkehrt – ebenso bei Turnieraufenthalten.

Für diesen Vet-Amt Besuch muss man entweder selbst hingehen, oder jemanden  beauftragen, was bei uns  mit der Fülle von GREMLINs, anders gar nicht mehr geht. Dies kostet 25€.

Jeder Verkäufer möchte das Pferd von seinem Namen haben, d.h. hat das Pferd bereits einen Equidenpass, geht dies rasch, doch es kostet auch diese Namensumschreibung Geld und die Fahrt zur zuständigen Umschreibestelle – und vor allem immer die ZEIT!
Hat das Pferd noch keinen Pass, sondern die alte CARTA VERDE (TARJETA SANITARIA- dieses Papier war früher Standard in Spanien, besonders in Andalusien und ist auch weiterhin für ältere Pferde gültig, jedoch NUR innerhalb Spaniens! Zur Ausreise MUSS jedes Pferd einen europäischen Equidenpass erhalten) so müssen wir den Pass beantragen, auch dieser kostet wieder extra.

Oft könnten Pferde kurzfristig ausreisen – doch das Warten auf die Passstelle verhindert dies. Allerdings gibt es seit Kurzem nun die Möglichkeit – gegen Aufzahlung – einen Eilpass zu machen; EIL heisst in diesem Fall auch noch eine knappe Woche, doch immerhin, keine 4 Wochen, welche sonst der Normalfall sind…

Sobald das freigekaufte Pferd einen unserer Ställe betritt, kostet es Geld!
Vollpension, incl. des bei uns sehr teurem Heus, Kraftfutter, Stroh und/oder Späne, Personal, Maschinen, Padock-, Platz-, Weidepflege; all das wird auch uns nicht geschenkt. Es sind zwischen 200-300€ im Monat also um 7- 10€ pro Tag. Hinzu kommen Pflegemittel, Decken.

95% der Pferde kommen ohne Halfter oder mit einem , welches man getrost sofort entsorgen kann 😉
WIE oft kommen sie mit einem, welches eine 2 cm dicke Dreckkruste an der Nase hat, und niemals gewechselt, geschweige denn abgezogen wurde. Viele Jungpferde kommen mit Halftern, die kurz vorm einwachsen sind- das Pferd ist gewachsen, das Halfter nicht, es schneidet überall alles ein…

Ebenfalls 95% der Pferde haben fatale Hufe, müssen also zuerst einmal zum Schmied!
Ca. 30% müssen die Zähne gemacht bekommen. Sie haben z.um Teil Blutergüsse an der Zunge oder am Zahnfleisch, aufgrund von Haken, wo man sich fragt, WIE kann das arme Ross überhaupt noch etwas kauen. Geschweige denn WIE kann so ein Pferd überhaupt noch geritten werden und dann noch oft mit scharfer Vaquerakandarre?
Da viele Pferde kaum Gras zu fressen bekommen, und daher zu wenig natürlichen Abrieb haben, bekommen auch erstaunlich viele junge Pferde schon Zahnprobleme.
Dieselbe Erfahrung machen wir ja übrigens auch bei uns Humanos – die Babys, die immer nur Fertigfutter bekommen, und meist einen ziemlich fliessenden Übergang in die Mac Donalds Abteilung nehmen, haben ebenfalls schon in jungen Jahren gern Zahnprobleme :-)

Das grösste Problem sind die Mitbewohner, die mit den GREMLINs einziehen!
Oft außen sichtbar in Form von unzähligen Krabbelviechern von „noch nie gesehen bis igitt“ … Dassellarven und die Schlimmsten sind die innen drin. Die Pferde sind ALLE verwurmt! Bei uns erhält jeder GREMLIN – egal, was uns der Verkäufer erzählt, denn es ist GARANTIERT GELOGEN! – noch vor dem Abladen eine Wurmkur!
Hat den Vorteil, dass die eh schon verdatterten Pferde sich auf dem Hänger oder LKW nicht wehren können … 😉  und schwups ist die Kur drin und ich habe es GESEHEN!Dann kommen sie seperat und werden aufs Schärfste kontrolliert und genau notiert, was da rausgekrabbelt kommt und werden dementsprechend nachentwurmt.
Ebenso werden diese erst mal entlaust und mindestens mit IMAVEROL gewaschen, ggf. muss man auch härtere Geschütze auffahren. Am schlimmsten und aufwendigsten sind in der Tat diese gelben Dasseleier, deren Entfernung irre Geduld und Zeit kostet.

Die Pferde stehen bei uns nicht eingepfercht nur in Boxen, sondern kommen jeden Tag stundenweise herraus, außer Sonntag. Nach Möglichkeit stehen sie ganz auf Paddocks, Jungpferde nach Möglichkeit in gleichwertigen Gruppen.

Zur Ausreise muss ebenfalls wieder ein Antrag auf dem Veterinäramt gestellt werden.
Ganz oft, bekommen wir zwar einen Pass mit dem Pferd, doch das Pferd ist gar nicht auf den Namen des uns bekannten Verkäufers eingeschrieben. Da jedoch der letzte eingetragene Besitzer auf dem Veterinäramt unterschreiben muss, dass das Pferd das Land verlassen darf, haben wir oft einen Spießrutenlauf, bis wir diesen aufgespürt haben und dann kommt immer häufiger die Überraschung: das Pferd ist gar nicht bezahlt worden!

Da dies in der Krise nun zur Regelmäßigkeit wird, versuchen wir nun immer, VOR Abholung des Pferdes dies im VORFELD zu klären – nur:
Zu oft gehts um wenig Zeit, meist Stallkündigung, und die Leute warten bis zum allerletzten Moment – nach dem Motto: „Huch- der Monat ist echt schon rum? Und ich muss SCHON WIEDER die Box bezahlen … oder MORGEN raus?
Ach ich hatte da eine Nummer bekommen, von Carmen gehört … ich ruf mal an … tja und Carmen soll dann JETZT SOFORT und HEUTE noch helfen!“
Zack – bin ich in der Zwickmühle – erst alle Papiere abklären – oft ists am Wochenende, oder erst mal das Pferd sichern, und dem Typ glauben, dass „alles bestens auf dem Vetamt registriert ist“ :-(

DAS genau ist MEIN ALLTAG geworden.
Die Leute denken irgendwie immer häufiger, GREMLINs bekommt man geschenkt (ist auch schon vorgekommen: Quote ist 1ner von 100!- oder es ist wirklich ein SCHLACHTpferd, wo nichts mehr geht – davon kann ich allerdings 20 am Tag haben, da immer mehr eine Schlachtverzichtserklärung im Pass stehen haben – so und wohin nun mit dem Pferd?? ).
– GREMLINs ernähren sich bei uns von Luft und Liebe?
– GREMLINs machen Hufschmied und Tierarzt umsonst?
– alle Aufwendungen bekommen wir geschenkt? (daran arbeiten wir … 😉 )
– GREMLIN´s machen sich bis zur Ausreise unsichtbar, also man muss sich nicht um sie kümmern? …
Nein Leute, wir kümmern uns um die GREMLINs exakt genauso, wir um die Berittpferde, nämlich bestens. Auf der Strecke bleibt ein Jungpferdetraining, z. B. Hinterhufe geben; doch da muss ich sagen, wenn ein Bursch damit 2 Jahre gut gelebt hat, oder mehr, ist erst mal wichtiger Wurmkuren und volle Krippe, den Rest kann ein zukünftiges Frauchen oder Herrchen tun 😉
Dies ALLES kommt zum reinen Freikaufpreis hinzu.

Die letzte Zeit ist öfter mal vorgekommen, dass ein Kunde, einen von uns angebotenen GREMLIN in irgendeinem Internetportal, direkt vom Verkäufer günstiger angeboten gesehen hat. Klar, wenn jemand hereinfliegt, sich um all diese Sachen bis zur Ausreise selber kümmert, kann man vielleicht das Pferd bei kurzfristiger Ablöse günstiger bekommen.
Wer das per Blindkauf direkt vom Besitzer macht, kann Glück haben, das dieser all die Nebenkosten schenkt und sich um alles perfekt kümmert. Ich sehe jedoch immer häufiger, die Posts von Leuten, die gar kein Pferd bekamen, oder eines in einem furchtbaren Zustand. Die meisten Verkäufer denken aber anders: dem Nachbarn verkaufen sie das Pferd günstiger, oder jemandem in Spanien sonstwo, doch wenn ein Ausländer kommt, der an seinem Elend verdient, sagen sie sofort einen anderen Preis!

Genauso ist es mit den Leuten, die wirklich kurzfristig ein Pferd zum Schlachten anmelden. Wir haben es ja immer öfter: Dadurch, dass immer mehr Leute nun von unserer Rettungsstelle wissen, bekommen immer mehr Pferde die Chance zu uns zu kommen, und wenn sie erstmal bei uns im Stall sind, schon mal 2 Wochen desinfiziert, in der Hand gewesen (viele sind total verängstigt von den oft rauhen Spaniern), Hufe gemacht, etc. fangen die Pferde doch sehr rasch an aufzublühen und wir finden ja viel eher einen Abnehmer, als nur über ein paar Fotos beim Besitzer.
Nun dauerts dann nach 4 Wochen den Leuten zu lange, Stromabsperren naht, oder sonst ein Druck … und sie melden die Pferde zum Schlachten an. Sie sagen uns meist NICHTS, sondern stehen pötzlich mit dem Hänger vor der Türe!
Das sind die Momente, die mich persönlich absolut fertig machen!!!

Mittlwerweile habe ich einen wirklich mega Draht zu den meisten Veterinärämtern
und werde informiert! Das ist dann eine Entscheidung, die innerhalb kürzester Zeit gefällt werden muss! Ihr kennt meine Aufrufe im Internet in solchen Momenten, wenn ich sowas erfahre. Klar, oft sagen mir auch die Besitzer: „entweder ist das Pferd in so und soviel Tagen verkauft, oder ich bringe es lieber zum Metzger“.

Doch KEINER gibt uns das Pferd, welches meist kerngesund ist, zum Schlachtpreis!
Sie wollen nicht, dass noch ein Ausländer an ihrem Leid verdient – was ich persönlich, die ich stundenlange Gespräche mit Besitzern führe, mittlerweile SEHR GUT nachvollziehen kann!
Weiter haben wir nun immer mehr Pferde in der Aktion, die zum Glück die Leute niemals schlachten lassen würden,doch sich ausserstande fühlen, es weiterhin vernünftig zu versorgen. Oft wollen gute Leute genau dann nicht das Pferd im eigenen Land verkaufen, oft aus Scham den Bekannten gegenüber, oder weil sie es nicht ertragen könnten, das Pferd mit blutigen Nasen oder Lenden auf irgend einem Fest wieder zu sehen. Auch solche Menschen gibts oft!

Da ich in der misslichen Lage bin, aussortieren zu müssen, werden langfristige Beobachter meiner Arbeit schon längst festgestellt haben, dass wir immer mehr reine PREs aufnehmen und anbieten.
Wenn ich schon zwischen 20 Pferden entscheiden MUSS, die zur Aufnahme in Frage kommen, werde ich die Besten herraussuchen und reine PRE haben einfach eine andere Vertrauensbasis bei den Kunden, als Pferde ohne Papiere.
Bei diesen ohne Papiere, suche ich dann eher nach dem Ausbildungsstand und Charakter aus.
Ein gut gerittener, superbraver Wallach ohne Abstammung toppt da dann doch einen 3jährigen rotzfrechen PRE Flegel, der auch erst noch gelegt werden muss 😉

Oft, ist es auch das reine Bauchgefühl – egal wie klapperdürr das Ross da vor mir steht
(oder eher fast in den Seilen hängt) und in welchem Zustand, ich spüre irgend etwas hat er, hat sie – das wird mal ein besonderes Individuum, wenn nur mal die gebrochene Seele wieder an die richtige Stelle gewandert ist!
Erklären kann ich dieses Gefühl nicht, es ist einfach da!
Ich bekomme es zigfach bestätigt, dass GENAU DIESE sich im neuen Heim bei den Leuten zum absoluten Volltreffer entwickeln! Ich sage ja immer, ich kann nicht kochen, aber der Instinkt ist mir in die Wiege gelegt worden…

Last not least..lasse ich alle GREMLINs-Preise immer auf 80€ enden, dies ist der obligatorische Beitrag in die Futterkasse, über den sich in den bald 10 Jahren, in denen ich dies mache, noch nicht ein Einziger beschwert hat! Vielen Dank!
Bei so ca. 10 vermittelten GREMLINs im Monat kommen da schon ein paar Euro  zusammen, für zumindest einen guten Teil Kraftfutter zu sichern – NUR – es sind noch ettliche mehr on bord!
und die Posten Heueinkauf, Späne, Stroh, etc. dies muss durch Futterunterstützungen von Euch, da draußen kommen! Zusätzlich nehme ich seit 2015 in meine Extrakasse 100€ pro Pferd, weil es irgendwann persönliche Ausmaße eingenommen hat, die einfach nicht mehr von mir zu stämmen sind. Hiervon begleiche ich meine persönlichen Kosten, vor allem Unmengen von Sprit … grins …, Telefon ist auch explodiert seit der GREMLIN-Schwemme, Pferdeanhänger, Reifen, extra Versicherung, etc. etc.
Allerdings was mache ich dann meist damit? Wenn es eng wird bei Auslöse eines Pferdes – zack gehts wieder dorthin 😉

Meine lieben Leute, Helfer, Interressierte, Investoren – vor allem meine Lieben, die im Laufe der Zeit zu echten Freunden geworden sind: Ich darf mit Stolz und ohne zu übertreiben getrost mittlerweile von unserer GREMLIN-FAMILIE sprechen! – ich glaube es war mal an der Zeit für etwas ausführlichere Erläuterungen! Wie kommt so ein GREMLIN Preis zustande, und was mache in diesem Spiel, außer Däumchen drehen, und in den Ventas Preise aushandeln.

Um noch mal auf den Ausgangspunkt zurück zu kommen:
Wer einen GREMLIN gern in Pflege nehmen mag – SUPER! Stellt Euch und Euren Hof / Eure Möglichkeiten vor und geht hinaus in Euren Umkreis sammeln! So machen es immer mehr!
Sobald Ihr ein Buget zusammen habt, kann ein Ross zu Euch reisen, welches wir dann auch mit dem neuen Standort im Ausland bewerben! Wenn einer ausgereist ist, haben wir vor Ort Platz für einen Neuen, und je mehr im Ausland stehen, desto bekannter wird unsere gesamte AKTION GREMLIN!
Und wenn Euer Geld wieder frei ist, so könnt Ihr den nächsten ordern. :-)

Wer im Kleinen helfen mag, hilft uns am Allerbesten mit einem Dauerauftrag, BITTE habt keine Scheu für noch so kleine Beträge!
Der Spruch von Firefox ist klasse: würde jeder jeden Monat 3 Euro geben, der bei uns regelmäßig mitliest – wir hätten null Futterprobleme!
ALLES zählt, natürlich auch jede spontane Unterstützung. Klasse sind ebenso Pfegemittel DECKEN! HALFTER! STRICKE! Wurmkuren insbesondere! Sprays, wie Sakrotan, Blauspray, etc. Hierfür haben wir eine Sammelstelle in Deutschland, also nur deutsches Porto für Euch!

Auch gerne Sachen, die wir weiter verkaufen können! Dies macht auch immens viel aus! Ohne Frage ist Geld natürlich am einfachsten, doch viele schenken lieber Dinge! Egal was – ob es die Schallplattensammlung von Elvis ist, oder Fachbücher – her damit! :-)

Wenn Ihr/ wenn Sie bis hierher durchgehalten habt mit Lesen, seid Ihr, sind SIE WIRKLICH interessiert!
Bleibt dabei, oder steigt ein in unser Boot!
Ganz vielen, lieben Dank!
Eure / Ihre Carmen Susenburger mit Kai Wolf (der immer zurückstecken muss, wenn Mutti in Sachen GREMINs unterwegs ist und mittlerweile sehr viel mithilft!)

Ich wünsche Euch/ Ihnen allen frohe Festtage und grüssen Sie Ihr Pferd von mir!
PS: Für Fragen aller Art schreibt mich bitte über das Kontaktformular an – ich melde mich normalerweise sehr rasch zurück.
Sehr gerne könnt Ihr auch anrufen, oft bin ich allerdings im Auto, am Pferd, im Meeting, dann einfach SMS mit der Festnetznummer hinterlassen, dort kann ich umsonst zurückrufen, via Skype!

FOTO: Gabi Stein….
…meine Sandkastenfreundin, die ich auf meiner Europa Abschlusstournee 2008/9 durch Zufall im Internet wieder getroffen habe. Das Foto entstand auf einem spontanen Besuch bei mir in Andalusien. Sozusagen ist Gabi Stein meine älteste (facebook ) Freundin :-)