Gitano … wie ein spanisches Pferd in die Oberlausitz findet! – Teil 2

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September 2015: Neuigkeiten aus Andalusien! Carmen schreibt uns:

GITANO, AKTION GREMLIN- grüsst seine neue Familie!
GITANO hat das grosse Los gezogen! Er hat eine Familie gefunden, die ihm alle Zeit der Welt lässt!
So haben wir ihn erst einmal in Ruhe 2 Monate aufpäppeln dürfen, und nun wird aus dem hässlichen Entlein von Tag zu Tag immer mehr ein Prinz.
Kai, mein Sohn mag ihn sehr und GITANO verliert immer mehr seine Ängste, sein Vertrauen wächst stetig – doch langsam. Er sucht sich SEINE Menschen mit viel Bedacht aus – und GENAU DAS werden diese Pferde, die für IHREN Menschen einmal ALLES tun! Gitano haben wir nun seit Kurzem in Arbeit genommen bei uns und es tut ihm sichtbar SEHR gut – er hat nun eine Aufgabe in der er reifen darf, doch nicht bedrängt und missbraucht wird!
Von Zeit zu Zeit berichte ich Euch immer, von denen mir anvertrauten Geschöpfen – Eure Carmen Susenburger

Dazu gibt es neue Fotos:

Was für ein Schmuckstück! Und das nach der kurzen Zeit in Carmens Händen – einfach unglaublich! :)

Oktober 2015: Endlich wieder Urlaub 😉 … Also zumindest Kurzurlaub. Auf ging es nach Jerez de la Frontera! Wir wollen schließlich unseren „Blindkauf“ einmal live und in Farbe sehen. Bepackt mit einem kleinen Koffer und einem großen Fotorucksack bestiegen wir um 5:00 Uhr den Airbus in Berlin Richtung Spanien. Ich bin schon lang nicht mehr geflogen – ich hasse fliegen! Es ist so übel eng in den Blechdosen…
4 Stunden später fuhren wir mit dem Mietwagen erst einmal an den Strand. Zu Gitano konnten wir noch nicht, da Federico (Gitanos Pfleger) mit seinen Reitkindern auf einem Turnier zu Gange war. Aber es war auch gut so – 22:00 Uhr ins Bett, 0:00 Uhr wieder raus und bis nach Berlin eiern – wir waren schon bissel angeschlagen.
Am Abend bekamen wir dann noch einen Termin in Carmens Flughafen-Stall mit Federico und konnten unseren Gitano endlich mal sehen – waren wir aufgeregt! 😀
Gitano nicht. Er stand in seiner Box, schaute aus dem Fenster, während alle enderen Pferde sehr interessiert an den blassen Typen waren, die da in den Stall kamen.
Fede holte Gitano vor und band ihn fest, damit wir ihn in Ruhe ansehen konnten. Er stand ganz cool da und ignorierte uns erst einmal, machte sich groß, unnahbar, sah sehr stolz und sehr sehr gepflegt aus und wir interessierten ihn … kein Stück! :-)
Aber Mandy hatte sich ja extra einen Beutel Möhrchen besorgt. Damit fingen wir dann an, ihn zu bestechen und so ziemlich genau 3 Möhren später kamen dann die ersten skeptischen Blicke: „Wer sind die und was wollen die hier? Hmmmm, Möhrchen! Los, noch mehr! Ja so ist gut!“
Wir waren beide sehr begeistert von unserem neuen Kumpel. So ein spanisches Pferd macht in Echt noch mal deutlich mehr her als auf den Fotos! Nachdem wir den kleinen Beutel leer gefüttert und lange genug geschaut hatten, fuhren wir ins Hotel.

Am nächsten Tag fuhren wir gleich wieder zu Fede, der uns Gitano mal auf dem Platz präsentieren wollte. Wir sind extra etwas zeitiger als vereinbart angekommen, denn Mandy wollte beim putzen und satteln helfen, aber Fede war natürlich schon fertig – er hat wohl desöfteren mit den überpünktlichen Deutschen zu tun. 😀
Bevor er aufsaß, zeigte er uns noch einige Dinge, die Gitano gerade lernt … Piaffe und Kompliment. Klappt schon ganz gut! Mandy war sehr davon begeistert, wie Fede mit Gitano umging. Er wartete nur darauf, dass er einige Schritte im Takt hinbekamm, stoppte dann und lobte Gitano sehr zärtlich und sehr ausführlich! Genauso tat er das auch beim reiten. Sobald er in die Versammlung ging, wurde sofort gelobt. Die Zügel hingen erfreulicherweise leicht durch – also kämpfen will er nicht! Der will schön aussehen und das gelingt ihm auch ganz easy … was für ein tolles Pferd!
Nach der Vorführung ging Mandy noch einige Minuten mit Gitano spazieren, sodass er sich an sie gewöhnen konnte. Im Gegensatz zu gestern gab es schon einige neugierige Blicke.
Den restlichen Tag verbrachten wir damit, uns die Umgebung ein wenig anzusehen und über unser neues Pferd zu schwärmen.

Tag 3! Endlich durfte Mandy mal in den Sattel. Dieses Mal wartete Gitano schon auf uns und fing sofort an, nach seinen Möhrchen zu betteln. Glücklicherweise ist er dabei wesentlich sanfter bei der Sache als Mandys Pony, das da schon mal bissel stinkig wird, wenn das Leckerchen trotz aller Bemühungen und Kunststückchen nicht kommt. Naja, das ist ja immer so ne Sache mit dieser Fütterei aus der Hand. Aber in diesem Fall war das schon okay – sonst hätte er uns an Tag 1 überhaupt nicht auch nur angesehen…
Rein ging es ins Roundpen – zuerst noch an der Longe, denn Fede weiß ja nicht, wie es um Mandys Reiterei bestellt ist und dann frei. Mandy wollte viel wissen, fragte Fede dies und das – alles in einem Deutsch-Englisch-Gebärden-Mix, denn spanisch kann sie ja nicht. Irgendwann hat mich diese Fragerei dann genervt und ich sagte zu Mandy: „Hör mal auf, alles genau wissen zu wollen! Kopf aus, fühlen, testen! Reite einfach!“
Da war sie zwar zunächst leicht angefressen, aber einige Schritte später wurde erst Mandy ganz ruhig, dann auch Gitano. Und Runde um Runde ging es mit den beiden besser. Gitano begriff ganz schnell Mandys Hilfen und sie fühlte, wie weich er im Maul war und wie schön elastisch und schwungvoll seine Gänge waren. Nach 30 Minuten war dann schon wieder absatteln angesagt – man soll ja aufhören, wenn es schön ist! Zum Abschluss gabs wieder einen Spaziergang und viele Streicheleinheiten und schon war es auch schon wieder Mittag.

Am nächsten Tag war dann mal Bodenarbeit angesagt. Mandy führte Gitano ins Roundpen, machte ihn los und deutete an, dass er laufen soll. Dabei achtete sie darauf, dass er immer bei ihr war. Der Gute registrierte jede kleine Bewegung und reagierte sofort darauf. Er hat schon ordentlich Energie! Etwa 15 Minuten später gab es dann die ersten Annäherungsversuche – der erste glückte noch nicht so recht aber beim zweiten ging Gitano dann auf Mandy zu, ließ sich streicheln und folgte ihr, wohin auch immer sie ging! Das ist schon der Hammer! Wir rechneten eigentlich damit, dass es Wochen dauern würde, bis er uns einigermaßen an sich ran lässt, ohne zu zittern und Angst zu haben. Er war zwar vorsichtig, fasste aber ganz schnell Vertrauen – und das bei seiner Vorgeschichte! Das machte und beide dann schon irgendwie sehr happy! 😀
Nach 2 gemeinsamen Stunden im Roundpen, in denen wir nix weiter taten, als uns zu unterhalten und Gitano zu streicheln, der uns immer folgte, war auch dieser Tag – zumindest mit ihm – schon wieder zu Ende.

Am Abend ging es jedoch zu Carmen Susenburger und ihrer Finca Barroco – Gremlins (und Nichtgremlins) einladen stand auf dem Plan. Der große Transport Richtung Deutschland sollte an diesem Abend abfahren und wir durften bei dem Spektakel dabei sein.
Wir waren natürlich gespannt darauf, wie Carmen so in Echt ist – wir kannten sie ja bis dahin nur aus Mails und Telefonaten!
In einer Venta trafen wir uns also mit ihr und den beiden Fahrern aus Dänemark, die am Vortag mit Ihrem Lastzug schon viele Pferde in Carmens neue Finca transportiert hatten. Außer Besucher bespaßen, Transport organisieren und dem Tagesgeschäft zog Carmen nämlich genau in diesem Moment in ihr neues Domizil – ich sage Euch … das Objekt liegt in traumhafter Lage – es sah dort so aus, wie in so einem schnulzigen Pferdefilm: Weideland mit Blick ins Tal, untergehende Sonne über dem Berg, überall Pferde! Ich schweife ab!
Verladen war dran. Nach sorgfältiger Vorarbeit, Änderung und Prüfung der Ladeliste, Beschriftung der „Schlüsselanhänger“ für die Pferdehalfter ging es dann zügig ans Laden. Es war stockdunkel! Ich hatte ja eigentlich mit etwas Licht zum Fotografieren gerechnet, extra meine lichtstarken Festbrennweiten zu Hause gelassen, denn in Spanien scheint ja immer die Sonne! … Ja, denkste! Nachts irgendwie nicht! Na gut, Empfindlichkeit hochstellen, Blende voll auf, nicht wackeln und heraus kamen … naja, nennen wir es mal „Fotoexperimente mit Nachtstimmung“ 😀

Verladen_Finca_Barroco_8

Der letzte Tag stand an – diesmal ging es wieder in den Sattel. Gitano wartete schon auf uns und begrüßte uns mit einem leisen Grummeln und wachem Blick. Mandy wollte mal so ein portugiesisches Gebiss antesten, nachdem Fede und auch Carmen davon geschwärmt hatten. So ein Zaum mit doppeltem Zügel war mal eine völlig neue Sache und Gitano lief sehr gut darauf. Man musste quasi kaum Zug anlegen, das Gewicht der doppelten massiven Zügel und des Gebisses selbst reichten völlig aus, damit Gitano in einen ganz weichen Trab ging und schön den Rücken hergab. Das reiten damit hat Mandy so viel Spaß gemacht, dass wir gleich einen solchen Zaum bei Carmen bestellt haben.
Nach dem Reiten hingen wir wieder ein wenig mit Gitano im Roundpen ab – es gefiel ihm inzwischen sehr, bei uns zu sein. Er hat die entspannte Stimmung sichtlich genossen und ging nun locker seine Runden, schaute den anderen Pferden und dem Schmied beim Arbeiten zu und kam immer wieder zu uns, um seine Streicheleinheiten abzuholen. Ja, er stecke einmal seinen Kopf richtig unter Mandys Arm durch, damit sie ihn mal so richtig krault! Da liefen ihr dann die Tränen – das hat so richtig gefunkt zwischen den beiden :-)

Dann hieß es auch schon Abschied nehmen – von Gitano, Carmen, Fede, den anderen coolen Pferden und Hunden und Spanien… Das werden elend lange Tage, bis Mandys Traumpferd dann endlich bei uns steht – ein harter Abschied!

Weiter zu Teil 3!